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Das schrieb die Zeitschrift Motorrad im Jahre 1993 bei dem Erscheinen der Honda CB 1000.

Die "Fünf-Prozent-Frau" und der "95-Prozent-Mann" sind Phantome, die nur in der Welt der Ergonomen existieren. Und doch sind sie auch für den Alltag das Maß der Dinge. Die "Fünf-Prozent-Frau" steht als Modell dafür, daß nur fünf Prozent der Bevölkerung kleiner sind als sie. Anders herum ist der "95-Prozent-Mann" größer als 95% seiner Mitmenschen. Keine leichte Aufgabe, ein Fahrzeug zu entwickeln, das beiden Extremen gerecht wird. Und was Autokonstrukteuren gerade noch gelingt, stößt im Motorradbau auf unüberwindbare Hindernisse.Hier spielen die Ergonomie, das Gewicht und die Größe des Fahrzeugs im Verhältnis zum Fahrer eine erhebliche Rolle für Fahrdynamik und Wohlbefinden. Die "Fünf-Prozent-Frau" war als Fan unverkleideter Motorräder früh fein raus. Von Honda stammt die zierliche 400er CB-1. Sie paßt in Größe ,Gewicht,Eigenschaften dem "kleineren" Teil der Menschheit wie eine zweite Haut. Aber was macht der "größere" Teil? Wenn jemand nun einmal kein ST 1100-Kilometerfresser oder CBR 1000-Yoghurt-Fan war, blieb ihm aus diesem Haus nur die CB 750 "Seven-Fifty". Doch nun ist auch bei Honda das Bike Bike voll. Eigentlich sollte die Neue unter der Bezeichnung "Big-One" auf den Markt kommen. Da dieser Name jedoch schon von einem anderen Produkt belegt war, heißt sie nun ganz schlicht CB 1000.

Die neue Honda ist das Werk einer Gruppe japanischer Jung-Ingenieure, die den simplen Auftrag "Laßt Euch mal was Neues einfallen" bekommen hatten. Doch daraufhin fiel den Youngstern etwas Altes ein: die Rennserie mit sogenannten "Box-Stock"- Superbikes, die , die vor allem in den USA Ende der 70er Jahre populär war. Hier fuhren unverkleidete 1000.cn Maschinen um die Wette, die zwar in ihrer Silhouette ("Stock") Serienmaschinen entsprachen, ansonsten aber in zahlreichen Details wie Räder, Bremsen, Gabel, Schwinge oder Motorinnereien unternehmungslustigen Tunern frei Hand ließen. Vor allem auf dem amerikanischen Markt, so die Kalkulation der Honda-Ingenieure, mußte ein Motorrad, daß sich am wuchtigen Erscheinungsbild der "Box-Stock-Superbikes" orientiert, gute Chancen haben. Und ihre Größe stellt die CB 1000 deutlich zur Schau.

So kommt sie mit einer mächtigen Telegabel mit 43 mm starken Standrohren daher. Die Kastenschwinge aus 40 x90 mm starkem Alu-Profil ist laut Pressetext gar " die größte, die Honda je gebaut hat". Der Doppelschleifenrahmen aus 32 und meißt sogar 36 mm starkem Stahlrohr reckt seinen Radstand 1540 mm weit. Und hoch über diesen stämmingen Rohrverbund hinaus wölbt sich der enorme Stahlblechtank. Auf hohlgebohrten Radachsen drehen sich 18 Zoll Gußfelgen. Und zwischen den Rädern macht sich ein anthrazitfarbenes Motorentrumm mit seinem gewaltigen Vier-in-eins-Kanonenrohr bequem. Doch die Jungtechniker gaben der CB 1000 auch ganz seriöse Motorrad-Tugenden mit. Die massige Maschine entpuppt sich als ein für "95-Prozent-Männer" perfekt zugeschnittenes Tourensport-Motorrad. Da kneift keine Kombi in den Kniekehlen. Hände und Füße fallen wie von selbst auf seine Widerlager. Auch die breite Stufensitzbank lädt den Fahrer zu längerem Verweilen ein. Auf dem windumtosten Soziussitz und den himmelhoch angebrachten Fußrasten wirft sein Begleiter jedoch schnell das Handtuch.

Brabbelt aber das Ex-CBR 1000 F Kraftpaket im Rahmen erst einmal, unterstüzt vom lenkerfesten Chokehebel, sonor aus dem rabenschwarzen Endtopf, ist der Gesellschaftsverlust schnell verschmerzt. Die Auspuffkrümmer münden, hinter einer Blende gut versteckt, unter der Schwinge in einen Vorschalldämpfer, bevor die Abgase ihren Weg durch den Endtopf nehmen. Trotzdem blieb dort unten genügend Platz für einen leicht zu betäigenden Hauptständer. Doch wichtiger ist der Motor, im dem die Verbrennung des Kraftstoff/Luft-Gemischs bis zu 103 PS bei 8200 Touren laut Bosch-Leistungsrüfstand erzeugt. Zum Glück gibt es Meßtoleranzen. Und mit deren Hilfe hat Honda die CB 1000 mit 98 PS homologieren können. Honda schreibt auch von maximal 87 Nm Drehmoment bei 6000 U./min.Tatsächlich liefern die vier Kolben jedoch maximal 95 Nm bei 7200 U./min. an die Kurbelwelle ab. ganze 4500 Touren lang, zwischen 4000 und 8500 U./min. , weigert sich der Vierzylinder, unter die 85-Nm-Marke abzusinken.

 

 

 

 

 


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